Aus Erfahrung gut: Praxis-Tipps Podcasting

Praxis-Tipp 1: Die zwei Facetten der Gesprächsführung in Interview-Podcasts

Was fragt man am besten? Die häufigste Form des Podcasteinstiegs sind Interviews bzw. Gespräche mit einem oder mehreren Gästen. Diese Form entlastet vom Druck der eigenen Inhaltekonzeption, denn schließlich ist der Gast der Experte und bringt sein Wissen und seine Erfahrungen mit. Damit es ein gutes und wertvolles Gespräch wird, sind eine gute thematische Vorbereitung und ein paar spannende Fragen das Handwerkszeug des Podcasters. 

Höre dir hier den kompletten Praxis-Tipp Audio "2 Facetten der Gesprächsführung" an (aus meinem Praxis-Workshop Podcasting und Audiografie).

 

Ich nutze hierfür mein Bild der 2 Facetten der Gesprächsführung: 
1. Wer bist du? = Fragen zur Person
2. Was machst du? = Fragen zur Tätigkeiten, Projekten und Rollen

 

Praxis-Tipp 2: Podcastgespräche anreichern 

Die einfachste Form des Podcasts bzw. Audioformats ist das Gespräch. Soweit so gut. Ein Gespräch oder sogar einen redaktionellen Monolog als Sprecher über längere Zeit packend und interessant zu gestalten, ist allerdings eine echte Kunst. Deshalb empfehle ich von Beginn an, das Gespräch mit einigen externen Zutaten anzureichern. Das können beispielsweise sein:

  • Ausschnitte aus veröffentlichten Vortragsvideos oder Interviews des Gastes
  • Audioelemente der Website
  • Kurze O-Töne von Mitarbeitern, Experten oder Familienmitgliedern zum Thema bzw. Anlass
  • Geräusche aus der Situation bzw. atmophärische Eindrücke
  • Musik zur Untermalung, im Intro oder Outro

Höre dir hier den kompletten Praxis-Tipp Audio "Interview-Podcasts anreichern" an:

 

Ich nutze beispielsweise iTube als Software, um die Audiospuren von YouTube-Videos oder Vimeoinhalten herauszuziehen. So kann ich beispielsweise einen aussagekräftigen Ausschnitt eines Vortrages meines Gastes in meinen Interviewpodcast einbinden, um schnell und interessant in das diskutierte Thema einzuführen. Zur Verbindung der Module (Ausschnitt Vortrag, Interview) moderiere ich einen kleinen Übergang. Auf diese Art entstehen kleine Spannungsbögen und abwechslungsreiche Perspektiven. Darüber hinaus hebt sich der Podcast gleich von Beginn an aus der Masse der reinen "Laberpodcasts" positiv ab.

Das gilt dann auch für die Untermalung von Gesprächen, Situations- und Ideenbeschreibungen durch atmosphärische Aufnahmen. Diese lassen sich durchaus akzeptabel mit einem modernen Smartphone und die bereits angesprochene Diktier-App aufnehmen. Wer mehr Hardware einsetzen mag (bspw. iRig = Mikro + App für iphone oder android), bekommt natürlich noch bessere Qualitäten hin - das spielt am Anfang aber keine entscheidende Rolle. 

 

Praxis-Tipp 3: Remote Recordings über die Distanz

Oftmals sind persönliche Gespräche, bei denen man sich gegenüber sitzt, die intensivsten. Hierbei ist der Vorteil, dass wir als Podcast-Gastgeber für eine gute Atmosphäre und eine entspannte Stimmung sorgen können - sprich: Der Gast fühlt sich wohl. Darüber hinaus können wir alle Optionen des Zuhörens nutzen, inkl. der non-verbalen. Der Nachteil ist, dass es oft schwieriger ist, persönliche Treffen zu organisieren. Abgesehen vom erhöhten zeitlichen Aufwand durch Reisezeiten kommen meist auch Reisekosten dazu. 

Die ideale Alternative sind sogenannte "Remote Recordings", das sind Audio- oder Videokonferenzen, die automatisch als Audiodateien (i.d.R. mp3) mitgeschnitten werden. Die Tonqualität ist heute durchaus akzeptabel und über diesen einfachen Weg kommen nicht nur mehr Gesprächsgelegenheiten zustande, sondern er eignet sich auch zu Trainingszwecken. Gerade wenn ihr am Anfang eurer Audioerfahrungen steht, könnt ihr mit Freunden und Vertrauten erste Gesprächserfahrungen sammeln. 

Eine kleine Auswahl guter und verlässlicher Interview-Softwarelösungen zeigt die Grafik. Mein Favorit: Zoom.us.

 

Audio und Podcasting werden immer beliebter, aber ...

Technisch gesehen ist es eigentlich ganz einfach: Jedes Smartphone verfügt heute über eine Diktierfunktion, mit der wir (Selbst)Gespräche, Interviews oder gesprochene Texte ganz einfach aufnehmen können. Damit ist der Inhalt digital und kann als Audiodatei veröffentlicht und geteilt werden - beispielsweise bei Soundcloud. Das ist zwar streng genommen noch kein Podcast, aber die Welt könnte so schon erfahren, was wir zu sagen haben. Wer dann noch eine der vielen Podcastinglösungen nutzt, kann daraus ganz einfach einen echten RSS-Stream erzeugen lassen. Das wäre dann ein waschechter Podcast, den man bei itunes, google und in Podcastapps finden kann.

Je nach aktueller Studie nutzt bereits jeder dritte oder vierte Deutsche Podcasts, um sich zu informieren, sich unterhalten oder inspirieren zu lassen. Dazu kommen noch Hörbücher, Radiosendungen und Hörspiele. Audiomedien funktionieren wunderbar als Nebenbeimedium und öffnen uns oft neue Welten und Erfahrungsräume. Warum also nutzen wir diese Potenziale nicht für die Verbreitung unserer Ideen, Themen und Anliegen? Oder für die Bewahrung von Erinnerungen und Familiengeschichten?    

Was hält uns davon ab? Oft genannt werden: 

  • Ich wüsste gar nicht, wie das geht und funktioniert
  • Ich glaube, ich habe keine passende Stimme dafür
  • Das ist bestimmt unglaublich aufwändig
  • Ich hätte Angst, dass ich mich ständig versprechen würde
  • Ich habe gar nichts Besonderes zu erzählen 

Wir haben alle etwas zu erzählen

Ich bin fest davon überzeugt, dass jeder Mensch etwas zu erzählen hat, was sich für andere zu hören lohnt. Das gilt sowohl im beruflichen Kontext, wie auch privat innerhalb der Familie und bei Lebenserfahrungen für andere. Das bedeutet nicht, dass jeder eine eigene Podcastserie starten muss, aber es ist sicher ein sehr guter Weg zum Einstieg in die Audiowelt. Und es existieren noch lange nicht genug gute Podcastsendungen - gerade im deutschsprachigen Bereich! Außerdem gibt das Medium Audio noch so viel mehr an Formaten und Spielarten her. Wir stehen gerade erst am Anfang.